Dr Schacher Seppli im Jazzlokal (de)

von Tom Gsteiger

Der Baptistenpredigersohn Brian Blade mit seiner Fellowship Band und der im Berner Bauerndorf Herzwil wohnhafte Bassist Bänz Oester mit seinen Rainmakers rissen das Publikum am Jazzfestival Willisau vom Hocker.
John Coltrane verwandelte einst die Musicalmelodie «My Favorite Things» in einen Jazzhit. Bänz Oester verfährt nun mit «Dr Schacher Seppli» ganz ähnlich. In beiden Fällen haben wir es mit musikalischer Alchemie im Kollektiv zu tun. Zugespitzt gesagt: Ohne McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones wäre Coltrane auf verlorenem Posten gestanden. Wie der triumphale Auftritt am 40. Jazzfestival Willisau zeigte, hat der Berner Bassist Oester mit seinen Rainmakers ebenfalls einen Volltreffer gelandet. 

Die Regenmacher 
Ihre Feuertaufe hatten die Regenmacher (tatsächlich regnete es am Tag nach ihrem Auftritt in Willisau in der Region ziemlich heftig) vor zwei Jahren bei einem Gastspiel im Basler Jazzclub Bird’s Eye – neben Oester gehören die südafrikanischen Tollkühnheits-Experten Afrika Mkhize (Klavier) und Ayanda Sikade (Schlagzeug) sowie der welsche Tenorsaxofonist Ganesh Geymeier, dessen Spiel optimal mit seiner imposanten Statur korreliert, zur Band. Wir haben es also eigentlich mit einem hundskommunen, altmodischen Jazzquartett zu tun. 

Tatsächlich lassen die Rainmakers alle angesagten Konzepte links liegen und konzentrieren sich stattdessen voll und ganz auf eine Kernkompetenz des Jazz, die im Zeitalter der Akademisierung leider in Vergessenheit zu geraten droht: Man nehme recht einfache Stücke und überlasse den Rest der Intuition. Das klingt einfacher, als es ist – damit sich innerhalb einer Band ein natürlicher Flow der Energien und Ideen entwickeln kann, braucht es ein schier grenzenloses gegenseitiges Vertrauen.