Review BeJazz Festival (de)

von Tom Gsteiger

Geringes Enttäuschungspotenzial: Das Be-Jazz-Winterfestival hat mit neuen Bands und Projekten gepunktet – für das dicke Ende sorgten Bänz Oester und seine Rainmakers aus Südafrika und der Romandie.

Die Stücke wirken alles andere als topmodern, von konzeptioneller Feinarbeit ist kaum etwas zu spüren – und genau darum vermag einen der zwischen Ekstatik und Innigkeit oszillierende Auftritt des neuen Quartetts des Berner Kontrabassisten Bänz Oester von A bis Z zu begeistern. Danach atmet man tief durch und stellt glücklich fest: endlich wieder einmal eine Jazzband, die ihre Spielfreude nicht durch verkopften Formalismus bremst, sondern in der Lage ist, auf der Basis relativ einfacher Vorgaben voll durchzustarten und abzuheben (mitreissende Höhenflüge!) respektive abzutauchen (tiefschürfende Emotionalität!). Dafür braucht es natürlich Musiker, die in allen Geschwindigkeiten Grazie und Dringlichkeit zu entfalten vermögen. Solche Musiker hat Oester für das Quartett Rainmakers zum einen in Südafrika und zum anderen in der Romandie gefunden. Aus Südafrika hat der Jazz bereits des Öfteren ganz starke Impulse erhalten – man denke etwa an Abdullah Ibrahim, Dudu Pukwana, Chris McGregor, Louis Moholo oder Mongezi Feza.

Südafrikanische Supermänner
Wenn nicht alles täuscht, ist in Südafrika eine neue Generation von Ausnahmemusikern herangereift, die das raufgängertum ihrer Vorgänger mit technischer Souplesse zu kombinieren verstehen. Was der Pianist Afrika Mkhize und der Schlagzeuger Ayanda Sikade mit den Rainmakers zu bieten haben, ist jedenfalls atemberaubend: Ihr Spiel ist gleicher massen bravourös und beseelt, geschmeidig und kraftvoll, überbordend und kohärent. Vervollständigt wird die Gruppe durch Ganesh Geymeier, der auf dem Tenorsaxofon einprägsam und hymnisch jubiliert. Zusammengehalten durch den majestätisch-warmherzigen Basso continuo Oesters weckten die Rainmakers nicht nur Erinnerungen an grosse Quartettformationen der 60er- und 70er-Jahre (Coltrane, Jarrett usw.), sondern auch an das sagenumwobene Trio Braff /Oester/Rohrer.